ZUALLERERST DOMINIEREN DIE FARBEN –

eine ganz bewusst reduzierte Palette von Rot-, Braun-, Gelbtönen und Weiß in unterschiedlichsten Schattierungen, die in einer außergewöhnlichen Bestimmtheit und daraus resultierenden Harmonie die großformatigen Leinwände definieren. Danach springt der „Strich“ ins Auge: kräftige, selbstbewusst gesetzte Linien, die eine ganze Bandbreite an Emotionen vermitteln. Und schließlich beginnen die Geschichten, denn Carmens  Bilder erzählen in erster Linie Geschichten – „starke“ Geschichten von Frauen und Männern, von Liebe, Sexualität, Selbstfindung und -definition. Logischerweise resultieren viele dieser Geschichten aus der persönlichen Geschichte der 33-jährigen Grazerin, deren Talent und „Trieb“ zwar schon seit Schulzeiten latent vorhanden war, aber erst in den letzten Jahren wirklich bewusst ausgelebt werden konnte. Zugleich aber formuliert und komponiert die Künstlerin ihre zeichnerischen und malerischen Inhalte mit so großer Sensibilität und Intelligenz, dass sie individuelles Erleben und Interpretation ermöglichen und bewusst fördern.

Bilder, die Geschichten erzählen, laufen mitunter Gefahr, sich zu sehr diesen narrativen Inhalten unterzuordnen, und somit ihre malerische Qualität einzubüssen. CARMEN umgeht dies mit einer Professionalität und Sicherheit, die in einem überraschenden Widerspruch zu ihrem „jungen“ Autodidaktentum steht. Sie arbeitet in Serien, mit wiederkehrenden Metaphern und Symbolen, mit vielschichtigen Bildhintergründen, Lasierungen und Übermalungen. Sie weiß intuitiv um die Möglichkeiten ihrer persönlichen Farbpalette und bedient diese konsequent. In diesem Kontext korrespondieren einzelne, auf den ersten Blick inhaltlich und formal konträre Bilder und fügen sich zu einem autonomen Ganzen.

Carmens Bilder und Zeichnungen verstehen sich auch als Aufforderung an ihre Betrachter zu einer sowohl extrem sinnlichen wie auch intellektuellen Entdeckungsreise, deren diverse, oft spontane „Outputs“ wiederum ­– oft spielerisch – in ihre Arbeiten zurückfließen: als Titel, die ebenso impulsiv, poetisch und sensitiv wie ihre gesamte Kunst / Persönlichkeit sein können.

Katharina Hofmann-Sewera

FARBINTENSIVE, SINNLICHE BILDER

Die Künstlerin zieht uns, die Betrachter, in die Erlebniswelt des Bildes hinein. Indem wir uns fragen müssen, wofür die immer wiederkehrenden Metaphern und Symbole stehen, die die Künstlerin mit vielschichtigen Bildhintergründen, Lasierungen und Übermalungen entstehen lässt, ist eine gewisse Autonomie des geheimnisvoll Entrückten und des Poetischen in ihren Werken zu finden.

Farbintensive, sinnliche, mit der Farbe Rot dominierte abstrakte Bilder – durchbrochen von hellem, zarten Weiß – als Reinigung, zur Sensibilisierung des Auges. Farbe und Symbole stehen im Kontrast zueinander, sie verleihen den Bildern Spannkraft und Dynamik, sie regen zum Nachdenken an, zum Hinabsteigen in das eigene Innere, zum Aufspüren längst vergessener Geschichten.

Carmen Stölzl schafft mit ihren Bildfolgen Ideenassoziationsketten, die in den Tiefenbewusstseinsschichten der Künstlerin schlummern, als eigene Existenzen, bis sie bereit und reif sind, in Form und Farbe umgesetzt zu werden. Ihre Bilder sind keine Abbildungen der bekannten Welt, sie hat in der Malerei ihre eigene Welt gefunden.

Ein ‚fremdes’ Universum, in das der Betrachter reisen mag – wenn er möchte.

Carmen geht mit ihren Werken eine homogene und zugleich spannungsvolle Symbiose ein. Sie lässt positiv wirkende Bilder entstehen, die sehr wohl der tiefsinnigen und komplexen Persönlichkeit der Künstlerin voll gerecht werden. Ihre Kunst ist stimmig und wahrhaftig, weil ehrlich und authentisch, ihre Werke ermuntern den Betrachter zu einer geistigen Reise. Sie verarbeitet visuelle Eindrücke in ihrer ganz eigenen charakteristischen Weise in Abstraktes und haucht ihnen eine Geschichte ein, ohne dass sie ihre malerische Qualität einbüßen. Die Geschichte wird zum Thema und baut eine intensive Beziehung zum Betrachter auf.

Carmen möchte uns mit ihren Bildern eine neue Sichtweise auf die Liebe ermöglichen, eine Konzentration auf das Leben, und auf die Kunst – über sich selbst lachen zu können.

Dr. Georg Köhler, Leitung Kunsthaus Weiz

DEM TRAUM FOLGEN

In der Bildenden Kunst war mir Carmen bislang eher kein Begriff, ich weiß nur aus der Etymologie, dass Carmen wörtlich mit dem Charme verwandt ist. Sonst lag sie mir auf andere Weise am Herzen, nämlich als eine meiner Lieblingsopern. Das ging einem Nietzsche nicht anders. Und auf so einem Klangteppich von Georges Bizet, sehr geehrte Carmen, kann man sich Ihrer Malerei ja gut und schön und beschwingt nähern, oder?

Was mir dann als Besucher der Arbeiterkammer einfällt – man ist halt so konditioniert in der Kunstgeschichte und kommt um Verwandtschaften auch nicht herum – ist Henri Rousseau mit seinen Dschungelbildern und seiner Naivität. Die zeitgenössischen Kritiker haben damals gemeint, dieser kindische Kerl könne nicht einmal einen Pinsel halten, aber Leute wie Kandinsky, Breton und Picasso haben ihn als einen der ihren gewürdigt und verehrt. Auf diese Weise ist der Naive, der keinen Pinsel halten konnte, zu einem Vorläufer des Surrealismus geworden. Und alles hat sich vor ihm verbeugt. Ich habe das übrigens in der Eremitage zu Petersburg gemacht, als es noch Leningrad geheißen hat.

Die andere Verbeugung, die mir heute vor Carmens Bildern so nebenbei einfällt, habe ich in New York gemacht, im Museum of Modern Art, vor den Bildern von Georgia O`Keffe. Vor diesen sinnestrunkenen Werken in ihrer floralen und frugalen Art, in ihrer beschwingten und schüchternen und raffinierten und stolzen und dezenten Farbigkeit, in ihrer wie absichtslos und nebenbei passierten Pracht und Herrlichkeit. Es geht dabei natürlich nicht um Gemüse, es geht stets um die geheimnisvolle Schönheit der Frau. Wer das noch nicht begriffen hat, dem stehen großartige Entdeckungen bevor.

Was dem Besucher zum Charme von Carmen und ihrer Malerei noch einfallen kann, ist ihr beharrlicher Trotz voller Naivität. Naiv heißt wörtlich – wenn wir schon bei der Etymologie sind – „angeboren“. Und wenn man sie kindlich bezeichnen möchte, hat die Künstlerin wohl nichts dagegen – im Gegenteil. Und wer die Werke der Autodidaktin „amateurhaft“ nennt, tut ihr wahrscheinlich einen Gefallen. Denn im Wort „Amateur“ steckt das „amare“ – und das heißt lieben.

Eines ist Carmen in ihrem naiven Trotz nämlich wichtig und wertvoll, und es ist, wie sie sagt, ihre Mission: Sie will den alltäglichen Berichten von Greueln und Schaurigkeiten aus aller Welt einfach Schönes entgegensetzen, ihre Reisen durch Bilder, und damit die Sehnsucht nach Schönheit postulieren und in unser Empfinden und in unseren Alltag setzen. Damit sie uns gut tut und wirkt, hier und jetzt und nachhaltig. Die Farben, die Formen, die Pracht. Aus den bitteren Zeiten heraus kann man sagen, dass so ein Ziel und Postulat von Gewicht ist. Und dass es unbeirrbare und naive Menschen braucht, die so etwas tun. Nun unterstelle ich dem Streben von Carmen ein paar zitierte Worte von – wenn ich nicht irre – Friedrich Hebbel: „Dem Traum folgen, und nur dem Traum folgen!“

Mathias Grilj

DANKE

an alle hier zitierten Autorinnen.

Ich bin berührt und meine Bilder und Carmen fühlen sich von euch erkannt und wertgeschätzt.
So gebe auch ich euch meine höchste Wertschätzung für eure Worte und Werke.

 

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